mädchen und jungen

Geschlechtsbewusste Kinder- und Jugendarbeit

Wir leben in einer Gesellschaft, die nach zwei Geschlechtern unterscheidet und diesen unterschiedlichen Wesensmerkmale und Begabungen zuspricht, die hierarchisch gewertet werden.

Die Kategorie ‚Geschlecht’ erweist sich im sozialen Zusammenhang als ein grundsätzliches Ordnungsprinzip für alle Individuen. Es gibt unterschiedliche Zuordnungen, die gemäß einer Werteskala den Geschlechtern zugeordnet werden: z.B. stark und schwach, kräftig und anmutig, rational und emotional, naturwissenschaftlich und sprachlich begabt, aggressiv und vermittelnd usw. Dabei wird das ‚Männliche’ höher bewertet und deklassiert das ‚Weibliche’ quer durch die gesamten gesellschaftlichen Ebenen.

Auch im Sport gibt es die strukturelle Unterscheidung in ‚Frauensport’ und ‚Männersport’, wobei ‚Frauensport’ eher negativ besetzt ist und im Gegensatz zum ‚Männersport’ eine geringe gesellschaftliche Relevanz hat. Die zeigt sich u.a. in der ungleichen Medienpräsenz und der unterschiedlichen kommerziellen Vermarktung des Sports zugunsten des ‚Männersports’.

Ziel der Kinder- und Jugendarbeit im Sport der Sportjugend NRW ist nicht nur die Entwicklung und Verbesserung sportmotorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch die Förderung der Entwicklung der Identität zu einem selbstbewussten mündigen Menschen. Mädchen und Jungen sollen dabei nicht nur betreut und unterrichtet werden, sondern auch lernen, gleichgestellt und gleichberechtigt, selbst bestimmt und selbstständig zu handeln.

Durch eine komplementäre Jungenarbeit wird die Mädchenarbeit unterstützt, die sonst häufig ins Leere laufen müsste. Denn eine gesellschaftliche Veränderung, die auf den Hierarchieabbau der Geschlechterbeziehungen und auf eine Neu- bzw. Umorientierung der Geschlechterrolle abzielt, schließt auch Jungen und Männer ein.

Analog zum künftigen Prinzip der ‚reflexiven Koedukation’ im schulischen Sportunterricht sollte auch im pädagogischen Betrieb der Sportvereine verfahren werden: Neben einem gemeinsamen Bewegungsangebot von Mädchen und Jungen sollten auch Möglichkeiten für – gegebenenfalls stundenweise – geschlechtshomogene Gruppen vorgehalten/erprobt werden. Die Entscheidung sollten die Mädchen und Jungen gemäß ihrer Bedürfnisse treffen. Dabei kommt den weiblichen und männlichen Übungsleiterinnen/Übungsleitern und Trainerinnen/Trainern eine – zusätzliche – Verantwortung hinsichtlich der Vorbild-Funktion in ihrer jeweiligen Rolle als Frau bzw. Mann zu.

Für diese Aufgabe müssen sie – auch – von den Sportorganisationen aus- und fortgebildet werden.

Somit ist es erforderlich, dass die geschlechtsbewusste Arbeit und zwar nicht nur die parteiliche Mädchenarbeit, sondern auch die reflektierende Jungenarbeit, ein übergreifendes Aufgabenfeld auch in allen Gremien der Sportjugend NRW und in ihren Mitgliedsorganisationen mit gezielter Maßnahmenplanung wird. 

Ansprechpartnerin

  • Sahle, Dorota

    Referentin Gender Mainstreaming, Prävention und Intervention sexualisierter Gewalt im Sport
    Telefon: 0203 7381-847
    Telefax: ---
    Direktkontakt
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