Übergewicht und Adipositas

Übergewicht/Adipositas – was ist das?

Im Sprachgebrauch werden beide Begriffe häufig gleich gebraucht. Aber es gibt Unterschiede.

Übergewicht besagt, dass die gesamte Körpermasse zunimmt, während Adipositas eine deutliche Vermehrung der Körperfettmasse bedeutet. Betroffen sind Erwachsene wie auch Kinder. In Deutschland muss man derzeit von 15 bis 20% übergewichtigen und adipösen Kindern ausgehen. Die Tendenz steigt. Mittlerweile ist Übergewicht bzw. Adipositas auch als chronische Erkrankung anerkannt.

Wie erkennt man Übergewicht/Adipositas?
Es gibt eine Vielzahl teurer Untersuchungsmethoden zur Feststellung der tatsächlichen Körperfettmasse. Man kann allerdings auch indirekt feststellen, wie viel Körperfett jemand besitzt. Als Maß hat sich dazu der Body Mass Index (BMI = Körpermasseindex) etabliert.
Er kann sehr leicht aus dem Körpergewicht und der Körpergröße berechnet werden.

Perzentilen
Perzentilen


BMI Berechnung
BMI Berechnung



Während im Erwachsenenalter feste Grenzen existieren, muss bei der Beurteilung im Kindes- und Jugendalter Wachstum und Geschlecht berücksichtigt werden. Man nutzt daher Kurvensysteme oder Normogramme, sog. Perzentilen. Dabei gelten Kinder zwischen der 90. bis 97. Perzentile als übergewichtig und ab der 97. Perzentile als adipös.



Warum werden Kinder übergewichtig?
Die Entstehung von Übergewicht basiert auf mehreren Faktoren.

  • Zum Teil ist es familiär bzw. genetisch bedingt. Dies haben Familienuntersuchungen, vor allem Zwillingsforschungen, zeigen können. Dabei spielte vor allem das Gewicht der leiblichen Mutter eine entscheidende Rolle.

  • Unumstritten ist der Einfluss des Ernährungs- und Bewegungsverhaltens. So entsteht Übergewicht durch eine zu hohe Energiezufuhr (z.B. zu kalorienreiches Essen) bei einer verminderten Energieabgabe (u.a. Bewegungsmangel). In diesem Teufelskreis spielt die Einschränkung des natürlichen Bewegungsdranges der Kinder durch die „moderne“ Umwelt eine besonders ungünstige Rolle, u.a. der hohe Fernseh- und Computer-Konsum. Bei amerikanischen Untersuchungen zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen erhöhtem Fernsehkonsum und Übergewicht. Schon allein weniger fernzusehen konnte zu einer Gewichtsabnahme beitragen.

  • Manche Eltern, die wenig Zeit haben, versuchen möglicherweise diesen Missstand über das Essen auszugleichen. Nahrung bekommt dann für die Kinder den Stellenwert von Liebe und Geborgenheit, vor allem wenn sie die wichtigste Verbindung zu den Eltern darstellt.

  • Aber nicht nur die Eltern prägen das Essverhalten und die Ernährungsgewohnheiten der Kinder. Oft wird dies über Generationen weitergegeben. Manche Großeltern kochen für ihre Enkel stark fetthaltig und sind mit Süßigkeiten, denen die Kinder nicht widerstehen können, sehr großzügig.

  • Ein weiterer Risikofaktor in der Entstehung des kindlichen Übergewichtes scheint der sozioökonomische Status der Eltern zu sein. Ein niedriger sozialer Status scheint Übergewicht und Adipositas eher zu begünstigen als ein höherer Lebensstandard.

Was sind die Folgeerscheinungen?
Die Folgeerscheinungen sind für Kinder und Jugendliche immens. Außer den orthopädischen Problemen (Knie-, Fuß- und Rückenproblemen) gibt es typische weitere Risikofaktoren wie z.B. Diabetes mellitus Typ II, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen etc.

Neben diesen körperlichen Folgen zeigen sich auch schwer wiegende psychosoziale Erscheinungen. Zumeist sind die Kinder verunsichert, schämen sich und sind isoliert. Die soziale Zurückgezogenheit unterstützt den Bewegungsmangel und möglicherweise die Fehlernährung.

Wie wirkt sich Bewegung auf übergewichtige Kinder aus?
Die Messung von Bewegung bzw. von Bewegungsmangel ist methodisch kompliziert. Ob übergewichtige Kinder und Jugendliche weniger leistungsfähig sind als ihre Altersgenossen, ist eine Frage, die bisher noch nicht einheitlich beantwortet werden kann. Trotzdem besteht an der besonderen Bedeutung von Bewegung kein Zweifel, vor allem wenn man die positiven Auswirkungen betrachtet. Neben Effekten auf den Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem wird genauso das Immunsystem günstig beeinflusst. Auch die psychosozialen, die rein psychischen, kognitiven und psychoemotionalen Aspekte von Bewegung spielen eine wesentliche Rolle.

Wenn Kinder sich sportlich mehr betätigen, nimmt ihre Lebensqualität zu und sie entwickeln ein positiveres Selbstkonzept, das besonders in der Entwicklung der kindlichen Gesamtpersönlichkeit zu einer ganzheitlich gesunden Lebensführung beitragen kann. Außerdem kann Bewegung dazu beitragen, geistige und schulische Leistungen zu verbessern.

Allgemeine Bausteine für die Arbeit im Sportverein

Im Folgenden werden die verschiedenen Möglichkeiten für übergewichtige Kinder in Bewegung, Spiel und Sport als Bausteinsystem dargestellt. Mit jedem Baustein, den Sie in Ihrem Verein umsetzen, können Sie übergewichtige Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen.

  • Integration der übergewichtigen Kinder in Angeboten der Bewegungserziehung
  • Integration übergewichtiger Kinder in bestehende Angebote der Fachsportarten

  • Einrichtung spezieller Angebote für übergewichtige Kinder

  • Förderung des positiven Selbstkonzeptes bei Kindern

  • Kennenlernen verschiedener Sportarten im eigenen Verein/in anderen Vereinen

  • Gemeinsame Bewegungsangebote für Kinder und Eltern

  • Durchführen von Familienfreizeiten, in denen das Thema „Bewegung und Ernährung“ berücksichtigt wird

  • Qualifizierung Übungsleiter/innen

  • Regelmäßige Elternarbeit

  • Informationsabende zu verschiedenen Themen mit Fachleuten

  • Aufbau eines Netzwerkes aller Institutionen, die „übergewichtige Kinder“ unterstützen

  • Ernährungsberatung

  • Kochkurs für Kinder und Eltern

  • Öffentlichkeitsarbeit

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