
Was sind „Terminkinder“? Die Antwort gab es auf der Jahrestagung der Sportjugend NRW in Hachen. Es sind junge Menschen, die kaum Freizeit haben, dafür aber Verpflichtungen ohne Ende. „Ist Sport da auch nur ein Tagesordnungspunkt unter vielen - oder doch mehr?“ Diese und viele andere Fragen rund um das Thema „Engagement junger Menschen in einer veränderten Lebenswelt“ standen vom 20. bis 22. Januar in der Willi-Weyer-Sportschule zur Debatte.
Sport nach wie vor sehr beliebt unter Kindern und Jugendlichen
Sport jedenfalls nimmt nach wie vor einen hohen Stellenwert bei den jungen Menschen ein. Keine andere Institution vermag das so wie der Sport. „Und das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann“, sagte Rainer Ruth, frischgebackener Vorsitzender der Sportjugend NRW.
„Ich habe das große Glück, dass ich wenig Schlaf benötige, sonst würde ich das alles nicht schaffen“, unterstrich Michael Steinmann von der Sportjugend Borken. Der 25-Jährige steht nicht nur kurz vor seinem Examen, sondern ist z. B. auch noch Jugendsprecher des Westdeutschen Hockeyverbandes. Michael Steinmann – so wurde in Hachen deutlich – ist einer von vielen jungen engagierten Menschen im Sport, die sich „nicht unterkriegen lassen“, sondern selbstbewusst und auch gegen Widerstände ihren Weg gehen.
Voller Terminkalender und großer Leistungsdruck
Johanna Eckert und Michael Holzmayer vom Deutschen Jugendinstitut in München hatten zur zeitlichen Belastung und den sich daraus ergebenden Konsequenzen einige Daten und Fakten mitgebracht: „Nach unseren Untersuchungen haben über 30 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen keine Zeit mehr neben der Schule für z. B. Bewegung und Sport.“ Der Druck sei enorm – der zeitliche, aber auch der Leistungsdruck. Sie fragten: „Wollen wir das wirklich – eine durchinstitutionalisierte Kindheit und Jugend?“ Sie schlugen ein Sportverständnis vor, dass auf Ausgleich zum stressigen Alltag setzt, ohne Druck und mit flexiblen Angeboten.
„Die veränderten Bedingungen des Aufwachsens haben in besonderer Weise Auswirkungen auf uns als Jugendverbände und auf unsere Vereine. Wir sind auf den Nachwuchs angewiesen. Mit dem Programm `NRW bewegt seine Kinder` und unserer Organisationsentwicklung haben wir wichtige Schritte getan, um den neuen Rahmenbedingungen Rechnung tragen zu können“, so Rainer Ruth.
Facebook & Co.
Wie die Jugendlichen in Zeiten von Facebook&Co miteinander kommunizieren und wie sich Sportvereine, Verbände und Bünde sinnvoll in die neuen sozialen Netzwerke einklinken können, das machte der Workshop „Neue Medien – Fluch oder Segen für die Jugendarbeit?“ deutlich. Workshop-Leiter Christoph Kirstein von der Sportjugend Kleve: „Natürlich gehen mit der Nutzung von z. B. Facebook auch viele Risiken einher. Die zentrale Frage ist: `Was geschieht mit den Daten?` Aber hier spielt nun mal die Musik. Wer Termine bekannt machen möchte, auf Angebote hinweisen will, der braucht die sozialen Netzwerke.“
Im Rahmen des Workshops wurde deutlich, wie stark es die Jugendvertretungen der Vereine, Verbände und Bünde auf diese Plattformen zieht.
Die Sportjugend NRW, so versprach Rainer Ruth, wird in Zukunft mehr Unterstützung und Know How anbieten. Die Jugendarbeit, der Sport der jungen Menschen, wird sich immer mehr auch über das Internet entwickeln. Bewegung und Sport ohne Smartphones oder Ipads – das wird schon bald fast undenkbar sein.
Text: Theo Düttmann
Fotos: Andrea Bowinkelmann