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24.01.2017


Stimmen zur Jahrestagung 2017

Zwischen Gaming und Mediensucht, von digitaler Bildung über eSports bis hin zu den Hasskommentaren im Internet. Die Themen auf der diesjährigen Jahrestagung der Sportjugend in Hachen waren vielfältig und anschaulich aufbereitet.


Hier einige Stimmen zur Tagung:

Simone Schlösser, Radsportjugend NRW, über den Workshop „Always ON“:

“Hat mich schon wachgerüttelt wenn man merkt, wie gläsern man eigentlich ist, wenn man sich im Internet bewegt.”

Dietmar Winter, DLRG-Jugend Nordrhein, zur digitalen Bildung im Sport:

„Ich wollte mir einen Überblick über die digitale Lebenswelt von Jugendlichen verschaffen, was es denn so auf dem Markt gibt. Und dann bin ich erschrocken, welche kommerziellen Interessen hinter diesen neuen Angeboten stecken.“


Thomas Lammers, Sportjugend Münster zum gleichen Thema:

„Da kriegte man mit, wo man digitale Bildung überall einsetzen kann und wo es überhaupt keinen Wert hat. Ich kann diese Erfahrungen für Ausbildungen mitnehmen und an die Vereine weitergeben, die ich in Münster berate.“

Michael Meurer, Landessportbund NRW, zum Umgang mit Hasskommentaren (Hate Speech):

„Viele im Workshop waren schon betroffen und ich selbst beobachte bei mir eine gewisse Selbstzensur, also reagiere ich oder reagiere ich nicht darauf.“

Paul Langenfeld, Sportjugend Steinfurt:

Der Workshop „Virtual Reality“ war sehr praxisorientiert und hat mir gezeigt, dass durch den technischen Fortschritt immer mehr Kinder und Jugendliche von der realen in diese virtuelle Welt hineinkommen.“

Anna Kunkel, Seglerjugend NRW, zum gleichen Workshop:

„Ein bisschen schockierend war dabei, dass auch schon von Kindergartenkindern die Rede ist, denen das beigebracht werden soll. Die Frage ist, ob man das wirklich braucht und nicht die Kinder davon abhält, draußen zu spielen und ihre Kreativität anders auszubilden."

Jürgen Schütt, Sportjugend Bonn, über den Workshop „Das Internet-(k)ein rechtsfreier Raum“:

„Ich habe grundlegende Informationen erhalten und erkannt, dass man sich keine Sorgen machen muss, wenn man im Umgang mit Fotos, Videos und Texten ein paar Rechtsgrundlagen beachtet.“

Holger Maurer, Sportjugend Dortmund, über einen Essener Fußball-Kreisligist, der die Digitalisierung nutzt, um neue Vermarktungs- und Vertriebsquellen zu finden und mit seinen „verrückten“ Ideen plötzlich deutschlandweit ein Gesprächsthema ist:

„Erstaunlich ist für mich, welche Kreativität dahinter steckt, durch fremde Manager über die sportliche Entwicklung einer Fußballmannschaft online abzustimmen. Spannend wird es natürlich, inwieweit die Online-User in Zukunft den Stellenwert der Jugendarbeit im Verein bemessen und dafür voten, dass möglichst viel Geld in die Jugendarbeit fließt.“

Martin Anders von der Jugend im Boxsportverband NRW zum Thema eSports:

„Ich fand die Diskussion sehr interessant und sehe das mit kritischen Augen, weil es diesen kommerziellen Machern nur ums Geld geht. Als Sportart im Verein kann ich es mir nicht vorstellen, wohl aber als begleitenden Breitensport in der Kinder- und Jugendarbeit im Freizeitbereich.“

Nadja Pesch, Referentin vom Medienkompetenzportal NRW zu ihrem Workshop „Mediensucht und Sport“:

„Es ging hauptsächlich darum, Standpunkte zu klären und da gab es natürlich unterschiedliche Facetten. Das Problem ist, dass wir als Fachleute noch keine genaue Definition von Mediensucht haben, d.h. es gibt noch kein eineindeutiges Kriterium dafür. Übrigens war ich völlig begeistert, wie die Teilnehmer gerade nach dem Mittagessen engagiert waren und diskutiert haben, so dass ich Mühe hatte, die gesamte Breite meines Themas anzusprechen.“

Florian Stege vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen zum Thema eSports als Teil der Kinder- und Jugendarbeit in den Sportvereinen:

„eSport ist nur ein Aspekt der fortschreitenden Digitalisierung unseres Alltags. In NRW gibt es bereits Träger der Jugendarbeit, die sich mit den Herausforderungen und Chancen einer digitalen Welt im Allgemeinen aber auch mit der Faszination eSport im Speziellen auseinandergesetzt haben. Ich denke, dass von dieser bereits vielfach vorhandenen Expertise sicherlich auch die Jugendarbeit in Sportvereinen profitieren kann. Übrigens war ich zum ersten Mal bei einer Jahrestagung der Sportjugend NRW in Hachen und mir hat diese sehr gut gefallen. Da ich im Ministerium im Referat arbeite, welches u.a. „Medienkompetenz in der Kinder- und Jugendhilfe“ thematisiert, hat es mich gefreut, dass die Sportjugend NRW die diesjährige Tagung zur „Digitalisierung im Sport und in der Jugendarbeit“ ausgerichtet hat. Es gab viele gelungene Inputs, interessante Workshops und auch gute, teilweise kontroverse Diskussionen.“

Jens Wortmann, Vorsitzender der Sportjugend NRW zur „digitalen“ Jahrestagung:

„Mir ist besonders aufgefallen, in wie vielen Bereichen die Digitalisierung stattfindet, wo wir sie als selbstverständlich nehmen, oder aber auch dort, wo wir sie überhaupt nicht wahrnehmen. Es war sehr spannend, wie vielfältig dieses Thema doch ist."


Interviews: Ulrich Beckmann
Foto: LSB-Bilddatenbank/Mark Hermenau